Van der Bellen warnt: “Viel gefährlicher Blödsinn”

Bundespräsident Van der Bellen hat die Salzburger Festspiele mit einer politischen Rede eröffnet. Dabei sprach er vor allem über das Wort “Heimat”.

Mit einer eindringlichen Rede hat Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Sonntag die Salzburger Festspiele eröffnet. Im Mittelpunkt standen die Themen Heimat, Demokratie, Europa sowie der Schutz des Klimas.

Zu Beginn schließt Van der Bellen an die Rede der belarussischen Oppositionspolitikerin Maria Kalesnikava an, die sich friedlich für Demokratie eingesetzt habe und dafür jahrelang inhaftiert worden sei. Nach ihrer Freilassung könne sie nicht in ihre Heimat zurückkehren, sondern müsse nun in Westeuropa leben.

Bundespräsident spricht auf Tirolerisch

Der Bundespräsident schlug anschließend den Bogen zu seiner eigenen Familiengeschichte. Seine Eltern seien aus dem heutigen Estland geflohen, er selbst sei schließlich im Tiroler Kaunertal aufgewachsen. Diese Erfahrungen hätten seinen Blick auf den Begriff Heimat sehr geprägt.

Dabei überrascht Van der Bellen das Publikum mit einem Satz auf Tirolerisch. “Bist als Flüchtlingskind gekommen, und jetzt, jetzt bist einer von uns”, so die sinngemäße Übersetzung. Der Satz, den der frühere Kaunertaler Bürgermeister Pepi Raich zum Bundespräsidenten einst gesagt hatte, würde ihn immer noch bewegen.

Regierung in die Mangel genommen

Mit dem Wort “Heimat” würde sich der Bundespräsident viel beschäftigen, “weil mit dem Begriff viel gefährlicher Blödsinn getrieben wurde und wird”. Zudem würde der Begriff “politisch missbraucht” werden. “Und das gefällt mir gar nicht”, so Van der Bellen.

Der Bundespräsident pocht daher auf stärkeren Zusammenhalt und Kompromissbereitschaft. “Das Innenleben jeder funktionierenden freien, liberalen Demokratie besteht nolens volens auf Kompromissen, insbesondere in Koalitionsregierungen.”

“Haben den Jackpot geknackt”

Er betonte, Heimat sei ein Glück und kein Verdienst. Niemand könne sich aussuchen, wo er geboren werde. Europa bezeichnete er als freien, demokratischen und wohlhabenden Kontinent, dessen Errungenschaften durch Zusammenarbeit und Kompromisse entstanden seien. “So gesehen haben wir alle hier in der EU den Jackpot geknackt.”

Van der Bellen bekannte sich ausdrücklich zu Österreich und Europa. Wörtlich sagte er: “Ich bin stolz auf Österreich.” Ebenso gebe es allen Grund, auch auf Europa stolz zu sein. “Heimat ist da für uns. Sie kann aber nur da sein für uns, wenn wir für sie da sind.”

Warnung vor Klimawandel

Mit Blick auf die aktuelle Weltlage forderte Van der Bellen ein stärkeres und unabhängigeres Europa. Die Europäische Union müsse etwa bei der Energieversorgung, in der digitalen Welt und bei ihrer Verteidigungsfähigkeit eigenständiger werden.

Zum Abschluss seiner Rede richtete der Bundespräsident den Fokus auf den Klimawandel. Sinngemäß mahnte er, nicht länger darüber zu streiten, ob die Klimakrise existiere, sondern entschlossen zu handeln. “Die schönste Heimat wird unbewohnbar ab 40 Grad Celsius”.

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