“Kein Mädchen unter Druck” – IGGÖ gegen Kopftuchverbot

Fünf Schülerinnen kämpfen vor dem VfGH gegen das Kopftuchverbot. Unterstützung bekommen sie von der Islamischen Glaubensgemeinschaft.

Die Diskussion wird immer intensiver: Im kommenden Schuljahr tritt das strikte Kopftuchverbot für Schülerinnen bis 14 Jahren in Kraft. In einigen Schulen gehen deswegen die Wogen hoch. Caroline W., eine Lehrerin einer Volksschule in Wien, schilderte im “Heute”-Gespräch:  “Mädchen ohne Kopftuch werden von den Buben schikaniert und gehänselt.” Sie werden belästigt, es wird den Mädchen wiederholt gesagt, dass sie ihre Haare bedecken sollen.

“Verstoß gegen Grundrechte”

Jetzt hat die Debatte eine neue Dimension erreicht: Fünf muslimische Mädchen zwischen neun und zwölf Jahren wollen das Verbot kippen, wenden sich an den Verfassungsgerichtshof: “Die Schülerinnen bringen vor, das islamische Kopftuch aus persönlicher Überzeugung und aus freien Stücken zu tragen.” Sie sehen einen Verstoß gegen mehrere Grundrechte – “Heute” berichtete.

Rückendeckung erhalten die Mädchen von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ). Die Religionsgemeinschaft hatte sich bereits vor einigen Wochen im Rahmen des Dialogforums “DIAF’26” ausführlich gegen das Verbot positioniert und sieht darin einen Eingriff in die Religionsfreiheit muslimischer Schülerinnen.

“Kein Mädchen darf in der Schule unter Druck gesetzt werden – weder dazu, ein Kopftuch zu tragen, noch dazu, es abzulegen”, heißt es in dem Papier.

Heftige Kritik aus den Reihen der IGGÖ: “Dieses administrative Regime trifft ausschließlich muslimische Mädchen und ihre Familien. Es erzeugt einen institutionellen Druck, der nicht der Förderung von Bildung, sondern der Durchsetzung religiöser Homogenität dient”, das sagte Dunia Khalil (Dokustelle Österreich) in einem Vortrag.

Erzähle uns deine Story!

Wurde dir eine Beihilfe gestrichen? Kannst du dir das Leben kaum mehr leisten? Ist dir gerade etwas besonders Trauriges, Witziges oder Erstaunliches geschehen? Bewegt dich ein anderes Thema? Bist du der Meinung, dass deine Geschichte erzählt werden sollte? Dann melde dich bei uns unter meinestory@heute.at. Denn deine Story ist uns wichtig!Mail an uns

Die Organisation beruft sich dabei auf ein von ihr beauftragtes Rechtsgutachten. Demnach greife die Regelung gezielt eine bestimmte Religionsgemeinschaft heraus und verstoße damit gegen das Gebot staatlicher Neutralität.

Die IGGÖ gibt zu, dass es innerhalb des sozialen Umfelds durchaus Situationen geben könne, in denen Mädchen Erwartungen ausgesetzt sind. “Ein Kopftuch, das nicht aus freier Überzeugung getragen wird, verfehlt seinen religiösen Sinn”, hält die Religionsgemeinschaft fest.

“Selbstbestimmte Trägerinnen ihrer eigenen Glaubenspraxis”

Im Mittelpunkt der Debatte müssten die betroffenen Mädchen selbst stehen. Die Religionsgemeinschaft betont deshalb: “Muslimische Frauen sind keine Objekte eines politischen Diskurses. Sie sind selbstbestimmte Trägerinnen ihrer eigenen Glaubenspraxis.”

Lehrerin Caroline W. über die aktuelle Realität: „Ich habe zwei Mädchen, die mit Kopftuch in der Klasse sitzen”, so die 24-jährige Pädagogin, “die sind sehr gestresst wegen dem Verbot, sie fühlen sich unsicher.”

Related Posts

So gab Meinl-Reisinger 100.000 Euro für Flugreisen aus

Sie ist die Jetset-Ministerin: Beate Meinl-Reisinger. Gemeinsam mit ihrem Kabinett verflog sie in nur drei Monaten satte 100.000 Euro. Eine parlamentarische Anfrage von FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz hat…

“Versteht keiner”: Babler-Sitzung sorgt für Unmut

SP-Babler hat seine Regierungsmitglieder für Mittwoch kurzfristig zwecks besserer “Abstimmung” einbestellt. Schon beim Termin mangelt’s an Abstimmung. Die SPÖ manövriert sich selbst immer tiefer ins Chaos. Seit…

XXL-Regierung verflog in drei Monaten eine Million Euro

Abgehoben ist die Regierung auch im zweiten Quartal wieder – und zwar buchstäblich: “Heute” liegen alle Reisespesen-Abrechnungen vor. Die Details. Es ist die größte Regierung aller Zeiten:…

Paukenschlag! Minister fordert Corona-Hilfen zurück

Minister Marterbauer macht klar: Wer Corona-Hilfen zu Unrecht erhalten hat, muss mit Rückforderungen rechnen. Dabei geht es um 158,8 Millionen Euro. Bei der Abwicklung der milliardenschweren Corona-Hilfen…

Neuer Missbrauchsfall erschüttert Österreichs TV-Szene

Gegen einen bekannten österreichischen TV-Star laufen Ermittlungen wegen schwerer Vorwürfe. Auch zwei Frauen stehen im Fokus der Justiz. Gegen einen bekannten österreichischen TV-Star laufen seit Mai Ermittlungen…

SPÖ-Kräftemessen um “Kultur-Euro”: Babler droht Ludwig

Die Stadt Wien plant, kulturelle Events mit einer neuen Abgabe zu versehen. Grund: das klamme Stadtbudget. Jetzt schaltet sich die Regierung ein. Die Stadt Wien nennt ihn…

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You cannot copy content of this page