
Vier Leute waren beim Weinkeller-Gespräch, aus dem Aussagen von Ruck geleakt wurden. Wer machte Tonaufnahme ? Alle vier wollen’s nicht gewesen sein.
Neue Wende in der Affäre um Wirtschaftskammer-Chef Walter Ruck: Nachdem am Mittwoch erstmals Tonausschnitte aus der mutmaßlich heimlich aufgenommenen Unterhaltung veröffentlicht wurden, geriet zunächst Rucks roter Kammer-Vize Marko Fischer in den Fokus.
Bei dem mehrstündigen Gespräch am 20. November 2025 sollen laut oe24 vier Männer in Rucks Weinkeller gesessen sein. Neben Ruck waren demnach der Donaustädter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy (SPÖ), ein enger Mitarbeiter von Ruck sowie eben Fischer, Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands Wien (SWV) und Kammer-Vize, dabei.
Termin beim Notar
Drei der Teilnehmer hatten bereits bei einem gemeinsamen Notartermin eidesstattlich erklärt, die Tonaufnahme nicht angefertigt zu haben. Weil eine solche Erklärung von Fischer zunächst fehlte, geriet er prompt in Verdacht. Der ÖVP-Wirtschaftsbund tobte, sprach von “Intrige” und “kriminellen Machenschaften”, Fischer habe sich für jede weitere Zusammenarbeit disqualifiziert.
Auch der Landesparteisekretär der SPÖ Wien, Jörg Neumayer, kündigte Konsequenzen an, sollten sich die Vorwürfe gegen Fischer erhärten.
Auch Fischer dementiert
Mittwochnachmittag dann ein neuer Dreh: Auch Fischer will es nicht gewesen sein. Über seinen Anwalt kam nun auch vom SWV-Chef eine notariell beglaubigte eidesstattliche Erklärung in der Causa. Diese liegt “Heute” vor.
Darin hält er wörtlich fest: “Ich verfüge über keine Tonbandaufzeichnung dieses Gesprächs. Ich habe demnach auch keine Tonbandaufzeichnung dieses Gesprächs an Dritte weitergegeben.”
„Den Skandal um den Herrn Ruck werde ich mir nicht umhängen lassen.“
Marko FischerPräsident Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband Wien
Auch ein schriftliches Protokoll will Fischer nicht angefertigt haben: “Ebenso wenig wurde daher ein Transkript von mir erstellt oder weitergegeben. Mir stehen ausschließlich meine Erinnerungen dieses Gesprächs zur Verfügung.”
“Hatte keine Einladung”
Dass er nicht gemeinsam mit den anderen Teilnehmern eine Erklärung abgegeben hatte, erklärt Fischer ebenfalls. Er habe davon schlicht nichts gewusst.
“Letztlich bestätige ich, dass ich keine Einladung zur Abgabe einer eidesstattlichen Erklärung erhalten habe, noch wurde ich zu einer Abgabe einer solchen Erklärung aufgefordert”, heißt es in Fischers Erklärung vom 29. Juli 2026.
Gegenüber der APA wurde Fischer noch deutlicher: “Den Skandal um den Herrn Ruck werde ich mir nicht umhängen lassen.”
Ruck weiter an Kammer-Spitze
Die in Medien seit gut zwei Wochen veröffentlichten Passagen aus einem Gesprächsprotokoll – die von ihm freilich nie bestätigt wurden – hatten für den Wiener Kammerpräsidenten bereits Folgen. Wegen mutmaßlich sexistischer Aussagen, Attacken auf Parteifreunde und Äußerungen über Postenvergaben schloss ihn die ÖVP am 24. Juli mit sofortiger Wirkung aus der Partei aus.
Ungeachtet dessen steht Ruck weiter an der Spitze der Wiener Wirtschaftskammer und des Wiener Wirtschaftsbunds. Die Statuten erlauben das.