
Lange war es ruhig um Karin Kneissl, nun meldete sie sich in einem Interview zu Wort. Dabei sprach sie auch von Problemen in ihrer neuen Heimat.
Von Dezember 2017 bis Juni 2019 war sie Österreichs Außenministerin, der Tanz mit Russlands Präsident Wladimir Putin auf ihrer Hochzeit sorgte 2018 für Aufsehen. Die Rede ist von Karin Kneissl. Laut eigenen Angaben musste sie aufgrund von Anfeindungen aus Österreich fliehen. Die Ex-Diplomatin zog es nach Frankreich, dann in den Libanon und schlussendlich nach Russland. Für den Transport ihrer Ponys wurden sogar Soldaten der russischen Luftwaffe eingesetzt.
Von dort aus ließ sie in der Vergangenheit kein gutes Haar an der Alpenrepublik. Zuletzt war es um Kneissl, die inzwischen in einem kleinen Dorf in der russischen Region Rjasan lebt, ruhig geworden. Nun meldete sie sich in einem Interview gegenüber “YA62.RU” zu Wort. “Heute” hat die wichtigsten Passagen daraus:
So kam Kneissl ins Dorf
In dem Gespräch verriet die Ex-Außenministerin, warum sie sich für das kleine Dorf als Lebensmittelpunkt entschieden hatte, obwohl sie im GORKI-Zentrum in St. Petersburg tätig ist. Demnach habe sie sich erst in der Region um Moskau nach einer Wohnung umgeschaut. Dort habe es allerdings nur “bewachte Wohnanlagen” gegeben, was Kneissl missfiel. Sie hatte die romantische Vorstellung vom Landleben, die später jedoch noch erschüttert werden sollte.
Ein Grund dafür ist unter anderem das alte Haus, welches die Ex-Ministerin gekauft hatte. Ihr zufolge sei es “eine Ruine” gewesen. Seit drei Jahren sei sie nun mit der Restaurierung beschäftigt und lebe daher auf einer Baustelle. Das größte Problem sei laut Kneissl das Geld. Sie mache fast alles selbst – Bauarbeiter könne sich die Auswanderin nicht leisten. Eigenen Angaben zufolge sei Kneissl nicht mit einem großen Budget nach Russland gekommen. Ihr Fazit: “Dieses Haus hat mich unglaublich viel Energie, Nerven und Gesundheit gekostet.”
Aber auch die Sprache und die Standards des russischen Landlebens seien eine Herausforderung gewesen. Besonders die langen Zugfahrten machen der Ex-Ministerin zu schaffen. Das Leben am Land wäre in Frankreich einfacher gewesen, urteilte Kneissl.
Probleme im Dorf
Doch auch an einigen Zuständen in ihrem neuen Heimatdorf hat die Österreicherin etwas auszusetzen. Dabei geht es um den Alkoholkonsum der Menschen im Ort. Kneissl sprach von Müttern, die sich lieber Alkohol holen würden, als ihren Kindern Essen zu kaufen. “Auch mein Leben ist nicht einfach. Aber wenn ich Probleme habe, greife ich nicht zur Flasche”, so die Ex-Ministerin. Sie müsse nämlich Verantwortung für ihre Tiere und ihr Leben tragen.
Ein weiterer störender Aspekt sei die Tratscherei im Dorf. Sie werde noch immer als Außenseiterin wahrgenommen. Die Leute würden auch Gerüchte über Kneissl verbreiten, was ihr aber egal sei. Zudem würden sie viele Menschen im Dorf für “einen wandelnden Geldautomaten” halten. Dies sei allerdings nicht der Fall.
Keine russische Staatsbürgerschaft
Dennoch wolle Kneissl in dem Dorf bleiben. Die russische Staatsbürgerschaft wolle die Ex-Ministerin jedoch nicht annehmen. Sie begründete dies mit ihrem Alter. “Ich bin bereits 61 Jahre alt. Glauben Sie wirklich, ich werde in diesem Alter plötzlich Russin? Nein.” Kneissl wolle ihre Persönlichkeit nicht mehr ändern. Vor zwanzig oder dreißig Jahren wäre dies vielleicht noch möglich gewesen, so die Österreicherin.
Ganz ohne Seitenhieb gegen ihre alte Heimat kam Kneissl aber auch in diesem Interview nicht aus. So beteuerte sie ihre Bewunderung für die russische Geschichte. Diese sei “nie langweilig” gewesen, “anders als beispielsweise die österreichische”, meinte die Ex-Außenministerin.