
Die Häufigkeit und Schwere der Hitzewellen in diesem Jahr wäre bis vor Kurzem eigentlich unmöglich gewesen. In Zukunft kann es noch schlimmer kommen.
Ein Clip des TV-Meteorologen Manuel Kelemen geht gerade viral. Über 2,3 Millionen Aufrufe und 110.000 Likes bekam sein emotionaler Vortrag über die Ausmaße der aktuellen Hitzewelle. Über 40 Grad in jedem der drei Sommermonate gab es heuer in Österreich. Statistisch sei das eigentlich gar nicht möglich und ” meteorologischer Irrsinn” – und trotzdem passiert es.
Die heißeste Region Europas liegt dieser Tage nicht in Südspanien, nirgends im Mittelmeerraum, sondern in den Alpen. “Das ist vollkommen verrückt.” Noch nie in seinen zwei Jahrzehnten als Meteorologe habe er so etwas gesehen und das könne man auch nur mit einem Wort zusammenfassen: “Klimakrise.”
Er persönlich rechne außerdem damit, dass es noch eine weitere Hitzewelle geben wird, die sich bis in den September hineinziehen wird. Und auch Regen sei keiner in Sicht.
“45 Grad im Bereich des Möglichen”
Im Interview mit dem “Standard” erinnert er daran, dass es bereits die vierte Hitzewelle in diesem Jahr ist. Schon jene im Mai habe vielerorts für Rekorde gesorgt. “Die zweite Hitzewelle hatten wir im Juni und die war schlicht historisch, da brauchen wir nicht lange herumzudiskutieren. Was da abgegangen ist, wäre vor kurzem de facto unmöglich gewesen.” Und schon werden die Geschichtsbücher neu geschrieben.
Dass es im Juni in Wien 40 Grad haben wird, lag bei einer Wahrscheinlichkeit von 1:4.000. Nach diesem Jahr ist die Rechnung auf 1:167 gesunken, der bisherige Juni-Rekord wurde um 3,5 Grad pulverisiert. Wenn das künftig wieder passiert, “sprechen wir beim nächsten Mal von knapp 45 Grad im Juni. Das ist im Bereich des Möglichen”.
Natürlich geht es mit den Temperaturen nicht unbegrenzt immer weiter nach oben, “aber die Extremereignisse verschieben sich im Zuge des Klimawandels”, so Kelemen. “Sie werden häufiger und intensiver. Nicht nur bei den Temperaturen, auch bei anderen Parametern.”