So will Babler Medienlandschaft in DDR-Manier errichten

5.000 Mal erschien “Heute” in NÖ – eine Erfolgsgeschichte. Für Babler sind Leserinnen und Leser von Gratismedien offenbar Menschen zweiter Klasse.

20 Jahre, 2 Monate und 21 Tage bringt “Heute” nun schon Niederösterreich auf den Punkt. Was für eine mediale Erfolgsgeschichte! 2006 wagte die damals junge Tageszeitung – zwei Jahre nach ihrem Start in der Bundeshauptstadt – den Schritt hinaus aus der Wiener U-Bahn, raus ins schöne, weite Land.

5.000 Ausgaben nach dem Start haben wir vielen Mitbewerbern längst die Rücklichter gezeigt. Bundesweit mit über einer Million täglichen Leserinnen und Lesern (als eine von nur zwei Tageszeitungen in der CrossMedia Reach+). Dazu ist “Heute” mittlerweile auflagenstärkste Tageszeitung in NÖ (Mo-Fr); erreicht in Print und online 269.000 Landsleute – Tag für Tag.

Polit-Attacke auf Gratismedien

Dieser Rückhalt macht uns stark. Stark auch gegen politische Attacken, wie sie derzeit aus Wien auf erfolgreiche Medien einprasseln. Der Bevölkerung stets im Wort zu sein und den Mächtigen genau auf die Finger zu schauen, das gefällt nicht allen. Medienminister Andreas Babler will künftig nur die Zustellung von Abo-Tageszeitungen mit Adress-Etikett fördern. Gratismedien, die allen Menschen unabhängig von ihrem Einkommen zur Verfügung stehen, sollen – ausgerechnet von einem Sozialdemokraten – ausgeschlossen werden.

Selbst Babler-Genossen peinlich berührt

Abonnierte Tageszeitungen – was auf den ersten Blick wie ein Medienverständnis aus den 80er-Jahren wirkt, ist in Wahrheit ein schamloser Versuch, einen medialen Chor zu formen, der nur noch die Lieblingsmelodien des Dirigenten auf der roten Titanic erklingen lässt. Das erinnert an unselige DDR-Zeiten. Völlig offen bleibt, wie Herr Babler zu der Annahme kommt, dass das Ausliefern Zigtausender Exemplare bis in Wald- und Weinviertel günstiger sein soll, als das Zustellen einiger weniger adressierter Ausgaben in ebendiese Regionen.

Künstliche Verschlechterung der Wettbewerbsposition

Dass der Vertrieb nicht gratis ist, nur weil es die Zeitung ist, sollte an sich einleuchtend sein. Den Medienmarkt noch weiter zu verzerren – schon jetzt hat etwa der ORF massive Sonderrechte und wird Kaufzeitungen bei ihren Vertriebskosten mit der Presseförderung unter die Arme gegriffen – kann nicht im Sinne der auf die Verfassung angelobten Bundesregierung sein. Nur ausgewählten Verlagen eine marktverfälschende Quersubventionierung zu gewähren, widerspricht jedem Gleichheitsgrundsatz.

Gut, dass alle drei (!) Regierungsparteien in Niederösterreich – ÖVP, FPÖ und SPÖ – hier nicht einstimmen. Dass selbst die eigene Landesgruppe von Andreas Babler bei derartigen Plänen auf Distanz geht, ist bezeichnend, spricht aber dafür, dass es doch noch vernünftige Kräfte in der SPÖ gibt.

Begutachtungsverfahren läuft bis Ende August

Die Stellungnahme der Landesregierung zu dieser geplanten Gesetzes-Groteske wird dieser Tage mit Spannung erwartet. Bessert die “Ampel” in Wien nicht nach, sind Klagen wegen fundamentaler EU-, verfassungs- und wettbewerbsrechtlicher Verstöße vorprogrammiert.

An unseren Prinzipien wird auch ein heillos überforderter Medienminister im Umfragen-Niemandsland nichts ändern. Uns bewegt, was Sie bewegt. Darauf haben Sie mein Wort!

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