Mann schimpft in U6 – Gewessler reagiert überraschend

In der U6 trifft Gewessler auf Fahrgast Wolfgang, der sie frontal angeht. Die Grünen-Chefin hört zu, man redet, später lädt sie ihn ins Parlament ein.

Es ist eine dieser Wiener U-Bahn-Szenen, wie sie sich täglich abspielen und schnell wieder vergessen sind – aber diesmal entwickelt sich aus spontanem “Angranteln” eine andere Geschichte.

Grünen-Klubobfrau Leonore Gewessler steigt in die bummvolle U6. Einer der Fahrgäste ist Wolfgang –  und der ist offenbar gar nicht begeistert, die Grünen-Politikerin zu sehen.

“Sonst muass i nua schimpfen”

“Frau Gewessler, mei Frau hat gsagt, i derf sie ned anreden. Sonst muass i nua schimpfen”, geht er sie wenig freundlich an.

Ein Satz, der nach Ärger klingt. Doch Gewessler weicht nicht aus, geht nicht einfach weiter. Sie hört zu, lässt Wolfgang reden und kommt mit ihm ins Gespräch. Am Ende, kurz bevor er aussteigt, hat sich sein Ton gedreht. “Passens auf mei Pension auf”, gibt er der Grünen-Chefin noch mit.

Leonore Gewessler führte Wolfgang persönlich durch das Parlament.

Leonore Gewessler führte Wolfgang persönlich durch das Parlament.

Die Grünen

Einladung ins Parlament

Wochen später erzählt Gewessler beim Grünen-Bundeskongress von der ungewöhnlichen Begegnung in der U-Bahn. Wolfgang bekommt das mit und meldet sich erneut.

Daraufhin lädt die Grünen-Chefin Wolfgang ins Parlament ein. Und er kommt. Knapp zwei Stunden lang führt ihn Gewessler persönlich durch das Hohe Haus. Es bleibt nicht bei der Führung: Die beiden reden. Über die Situation in Österreich, über die Sorgen der Menschen im Land.

Die Grünen hat Wolfgang noch nie gewählt, sagte er Leonore Gewessler offen.

Die Grünen hat Wolfgang noch nie gewählt, sagte er Leonore Gewessler offen.

Die Grünen

“Gute Politik beginnt beim Zuhören”

Dabei sagt Wolfgang offen, was Sache ist: Er hat in seinem Leben schon viele Parteien gewählt, nur die Grünen nicht. Ob sich das nun ändert, weiß Gewessler nach dem Gespräch nicht. Darum gehe es ihr auch nicht. Sondern darum, Menschen zuzuhören – auch wenn sie sie nicht wählen, betont sie gegenüber “Heute”.

“Gute Politik beginnt beim Zuhören”, sagt Gewessler zu “Heute”: “Wolfgang hat sich damals in der U-Bahn getraut, ehrlich zu sein. Und ich bin froh, dass daraus ein echtes Gespräch wurde. Genau das brauchen wir gerade in dieser Zeit: einander zuhören, auch wenn man nicht einer Meinung ist.”

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