Kanzler entschuldigt sich für Kindererziehungs-Sager

Nach dem Wirbel um die Aussagen zum Thema Kindererziehung meldet sich nun Bundeskanzler Stocker erneut – mit einer Entschuldigung.

Die Aussagen von Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) rund um Kinderbetreuung schlagen weiter hohe Wellen. Kritik kam unter anderem von der Opposition und vom Gewerkschaftsbund. Nun meldet sich Stocker erneut.

Hintergrund ist eine Antwort zum Thema Kinderbetreuung während seiner Sommertour in Salzburg. Eine Teilnehmerin fragte zur Vereinbarkeit von Beruf und Betreuung. Sie sprach dabei die Belastung an, der vor allem viele Mütter ausgesetzt seien. “Ist Ihnen bewusst, von welchen Zahlen wir hier sprechen”, wollte sie von Stocker wissen. “Frauen leisten im Schnitt 96 Stunden pro Woche unbezahlte Kinderbetreuungsarbeit – ohne Sonntagszuschlag, ohne Wochenende, ohne bezahlten Urlaub”.

“Kinderbetreuung ist keine Arbeit”

Stockers Antwort darauf sorgte für Aufschrei im Publikum. “Ich würde Kinderbetreuung nicht als Arbeit sehen, sage ich Ihnen ganz ehrlich”, erklärte der Bundeskanzler. Man müsse in dieser Frage allerdings nicht derselben Meinung sein.

Der Kanzler legte anschließend nach: “Familie ist nicht in bezahlter Arbeit zu rechnen. Wenn wir Familien als ‘Business Case’ sehen, wenn wir Familien als Rechenbeispiel begreifen, dann ist das ein anderes Familienbild als das, das ich habe”.

Für den ÖVP-Chef bedeutet Familie, Verantwortung füreinander zu übernehmen und füreinander da zu sein, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten. “Ich habe meine Kinder nicht erzogen als Rechenbeispiel.”

Kanzler entschuldigt sich

Trotz sofortiger Stellungnahme aus dem Bundeskanzleramt riss die Aufregung nicht ab. Unter anderem forderte Grünen-Chefin Leonore Gewessler eine Entschuldigung. Dieser Bitte kommt nun der Kanzler nach: “Ein Satz von mir sorgt gerade für Diskussionen. Zu Recht, denn er ist falsch. Bei all jenen, die sich durch meine Aussage verletzt, beleidigt oder nicht wertgeschätzt fühlen, entschuldige ich mich in aller Deutlichkeit. Kinderbetreuung ist Arbeit.”

Die Entschuldigung richtet sich vor allem an Frauen, die oftmals nach wie vor den Großteil der Kindererziehung übernehmen und damit laut Stocker “Großartiges leisten.”

“Kindererziehung ist nicht in Geld zu messen”

Familie sei für ihn aber weder Unternehmen noch klassischer Job, wo man nach getaner Arbeit das Büro verlässt. “Der Lohn ist nicht in Geld zu messen, sondern in Vertrauen, Zusammenhalt und in unzähligen gemeinsamen Momenten”, so der Kanzler.

Stocker verweist dabei auch auf seine eigene Erfahrung als Vater. Gemeinsam mit seiner Frau habe er zwei Kinder großgezogen, während beide berufstätig waren. Er wisse daher, wie fordernd schlaflose Nächte mit kranken Kindern oder schwierige Phasen sein könnten – aber auch, wie viel Freude gemeinsame Erlebnisse bereiten.

Seine ursprüngliche Aussage will Stocker deshalb nicht als Geringschätzung verstanden wissen. Familie sei “kein Business Case”. “Mütter, Väter, Großeltern – sie alle leisten bei der Betreuung und Erziehung unserer Kinder einen unermesslichen Beitrag für unsere Gesellschaft und die Zukunft unseres Landes. Dafür verdienen sie unseren Dank, unsere Hochachtung und unsere Unterstützung”, betont der Bundeskanzler.

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