“Er suchte wahre Liebe” – Schwuler (29) totgeprügelt

Nach der tödlichen Bluttat in Langenzersdorf sitzt der Schock in der Gay-Community tief. Das Opfer (29) war bekannt und galt als lebensfroher Mensch.

Der mutmaßliche Mord an einem 29-jährigen Wiener in Langenzersdorf sorgt weit über Niederösterreich hinaus für Entsetzen.

Der junge Mann soll sich mit einem 18-Jährigen getroffen haben, den er über soziale Medien kennengelernt hatte. Das vermeintliche Date endete jedoch tödlich. Der 18-Jährige hat die Tat inzwischen gestanden. Dem Vernehmen nach soll das Motiv “Hass auf Homosexuelle” gewesen sein; Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Nach Recherchen von “Heute” war das Opfer in den sozialen Netzwerken keine unbekannte Persönlichkeit. Vor allem auf TikTok begeisterte der Wiener mit humorvollen Videos und sammelte mehrere tausend Follower. Einige seiner Clips erreichten sogar mehrere hunderttausend Aufrufe.

“Er war ein vorsichtiger Mensch”

“Heute” sprach mit einem Insider aus der Wiener Gay-Community, der den 29-Jährigen persönlich kannte. “Wir hatten ein paar Mal Kontakt miteinander, man kannte sich vom Fortgehen”, erzählt er.

Gerade deshalb könne er die Tat kaum begreifen. “Auch wenn es in der Community normal ist, sich über Apps oder soziale Medien kennenzulernen – er war nicht jemand, der leichtsinnig handelte. Ich habe ihn immer als sehr vorsichtig wahrgenommen.”

Nach seinen Angaben suchte der 29-Jährige auch nicht nach flüchtigen Bekanntschaften. “Er wollte keine schnellen Nummern, sondern definitiv etwas Ernstes. Er war auf Dating-Apps unterwegs, weil er die große Liebe finden wollte.”

“Der Schock sitzt tief”

Dass ausgerechnet er nun Opfer eines mutmaßlich homophob motivierten Gewaltverbrechens geworden sein soll, erschüttert viele Menschen. “Der Schock sitzt in der Community tief. Ich habe mit einigen Freunden gesprochen – keiner kann fassen, was passiert ist.”

Für viele habe die Tat das Sicherheitsgefühl massiv verändert. “Gestern hätte ich bei einem Treffen mit einer Onlinebekanntschaft keine großen Bedenken gehabt. Heute sieht das ganz anders aus. Das macht etwas mit einem.”

HOSI Wien warnt vor gefährlicher Entwicklung

Auch die HOSI Wien zeigt sich tief erschüttert über den mutmaßlichen Mord. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand soll der tatverdächtige 18-Jährige der sogenannten “Pedo-Hunter”-Szene zugerechnet werden.

Die Interessenvertretung warnt insbesondere vor der Verbreitung des alten und falschen Vorurteils, homosexuelle Menschen mit Pädophilie gleichzusetzen. Bereits im vergangenen Jahr waren mutmaßliche Täter aus der sogenannten “Pedo-Hunter”-Szene wegen schwerer Übergriffe auf LGBTIQ-Personen ausgeforscht worden.

Für die HOSI handelt es sich dabei nicht um einen Einzelfall, sondern um eine besorgniserregende Entwicklung, vor der die Community seit Längerem warnt. Die Ermittlungen zum Mordfall in Langenzersdorf laufen weiterhin auf Hochtouren.

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