SPÖ-Kräftemessen um “Kultur-Euro”: Babler droht Ludwig

Die Stadt Wien plant, kulturelle Events mit einer neuen Abgabe zu versehen. Grund: das klamme Stadtbudget. Jetzt schaltet sich die Regierung ein.

Die Stadt Wien nennt ihn harmlos “Kultur-Euro“. Doch diese geplante neue Abgabe soll die millionenschweren Einsparungen, die das Kulturressort von Stadträtin Veronika Kaup-Hasler (SPÖ) erbringen muss, abfedern. Das heißt: Von “einem Euro” kann keine Rede sein.

12,5 Prozent Ticket-Steuer

Geplant ist, Tickets für kulturelle Events in der Bundeshauptstadt mit 12,5 Prozent zu besteuern. Die Auswirkungen auf die Preise kann man sich leicht vorstellen – es genügt ein Blick auf die Konzerttickets für Stars wie etwa Taylor Swift, Coldplay oder aber auch für Karten in der

Horrende Ticketpreise für Staatsoper, Albertina und Co.

Im “Haus am Ring” zahlt man für Premieren-Tickets schnell einmal 400 Euro – das ist für viele heute schon unerschwinglich. Diese Karten würden sich aber noch einmal um mehr als 40 Euro (!) verteuern. Aber selbst bei “normalen” Tickets drohen massive Preissteigerungen – und das in einer Zeit, in der die Menschen durch die hohe Inflation bereits massiv unter Druck stehen. Damit drohen viele Besucher auszubleiben. Auch Abo-Verkäufe könnten stark zurückgehen, die Häuser leer bleiben – ein enormer Image-Schaden für Wien.

Branche erbost

Die Kulturbranche ist in heller Aufregung. Die Ablehnung dieser Maßnahme zieht sich durch alle Genres und Häuser. Öffentlich Kritik geäußert haben bereits die Albertina,  Nova-Rock-Veranstalter Ewald Tatar oder Live-Nation-Chef Matthias Rothermund.

Alle Kultur-Genres betroffen

Betroffen von diesem “Kultur-Euro” wären Museen ebenso wie Theater, Opernhäuser, Konzerte und auch Kabaretts.

Bund finanziert – Wien profitiert

Was die Stadt offenbar nicht kalkuliert hat: Viele der großen Kultureinrichtungen werden vom Bund finanziert. Dazu zählen unter anderem die Staatsoper, die Volksoper, Burg- und Akademietheater, aber auch die Bundesmuseen wie Naturhistorisches, Kunsthistorisches und eben die Albertina. Die Stadt Wien zahlt für diese Institutionen nicht mit – profitiert aber durch deren Besucher – vielfach auch Touristen, die die Sehenswürdigkeiten der Bundeshauptstadt genießen.

Die Angelegenheit hat also auch Auswirkungen über Wien hinaus. Jetzt schaltet sich auch das Kulturministerium ein. Am Dienstag gab es ein Gespräch von Ministeriums-Beamten mit Stadträtin Kaup-Hasler. Die hat ihnen dem Vernehmen nach den Gesetzesentwurf präsentiert. Und das offenbar sehr zu deren Missfallen.

Offener Machtkampf in der SPÖ

Die brisante Konsequenz: ein Kräftemessen in der SPÖ. Denn der rote Kulturminister Andreas Babler droht jetzt der roten Stadt Wien, das Geld für diese Institutionen abzuziehen. Die Konsequenzen für den Kultur- aber auch Tourismus-Standort wären fatal.

Verliert Babler letzten Verbündeten?

Es bleibt abzuwarten, wie dieser sozialdemokratische Machtkampf ausgeht. Das Risiko für Babler: Entzieht ihm der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) das Vertrauen, hätte er einen der allerletzten Unterstützer in seinem Kampf um den SPÖ-Chefsessel verloren.

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