Wetter-Beobachterin deckt auf, was andere verschweigen

Seit 47 Jahren notiert die Kärntnerin Rosi Polesnig jedes Wetterdetail. Heute blickt sie mit Sorge auf Hitze, Trockenheit und Gewitter.

Wenn andere längst vergessen haben, wie das Wetter an einem bestimmten Tag war, greift Rosi Polesnig zu ihren Heften. Dort steht, wann Schnee fiel, wann der erste Frost kam, wie viel Regen niederging und wann Gewitter aufzogen.

Die 81-Jährige aus Rinkenberg/Vogrče in Kärnten hat sich über Jahrzehnte ein eigenes Wetterarchiv aufgebaut. Seit 1979 schreibt die pensionierte Landwirtin und Mutter von fünf Kindern täglich auf, was draußen passiert. Über ihre Aufzeichnungen berichtete die “Kleine Zeitung”.

Temperatur, Niederschlag, Schnee, Nebel, Raureif, Gewitter – Polesnig hält alles fest. Dazu kommen Beobachtungen aus der Natur: wann die Obstbäume blühen, wann Zugvögel eintreffen oder wie die Ernte ausfällt. Was einst aus landwirtschaftlichem Interesse begann, ist heute eine außergewöhnliche Chronik über fast fünf Jahrzehnte.

An manche Tage erinnert sie sich besonders genau. “Am 4. Mai 1979 sind beispielsweise 20 Zentimeter Schnee gefallen”, sagt Polesnig. Ihre Notizen sind für sie längst mehr als bloße Zahlen. Sie vergleicht, ordnet ein und erkennt Entwicklungen, die ihr Sorgen machen.

Auf alte Bauernregeln allein verlässt sich die Kärntnerin dabei nicht. Sie beobachtet selbst, Jahr für Jahr, Saison für Saison. “Ich habe meinen eigenen Kalender”, sagt sie. Gerade deshalb fallen ihr die Veränderungen in der Natur besonders stark auf.

“Die gesamte Natur hat sich verändert”

Die Sommer seien heißer geworden, die Winter anders als früher. “Eine solche Hitzewelle wie heuer haben wir noch nicht erlebt. Die gesamte Natur hat sich verändert im Sommer und im Winter”, sagt Polesnig. Auch Gewitter könne man heute nicht mehr so leicht einschätzen wie früher.

Damals hätten bestimmte Zeichen oft noch funktioniert. “Früher konnte man manche Wetterentwicklungen leichter einschätzen. Wenn am Morgen kein Nebel lag, konnte man beispielsweise mit einem Gewitter am Nachmittag rechnen. Heute funktioniert das nicht mehr so.”

Auch die strengen Winter, wie sie Polesnig aus früheren Jahrzehnten kennt, seien selten geworden. Große Schneemengen und tiefe Temperaturen im Dezember gebe es kaum noch in jener Form, wie sie es in Erinnerung hat. “Die großen Minusgrade im Dezember sind uns verloren gegangen”, meint die 81-Jährige.

Dafür beobachtet sie längere Trockenphasen und extreme Hitze. Den Klimawandel betrachtet Polesnig deshalb mit großer Sorge. “Die Menschen wollen den Klimawandel nicht zur Kenntnis nehmen. Man kann ihnen nicht helfen”, sagt sie nachdenklich. Ihr Urteil fällt deutlich aus: “Die ganze Welt ist verrückt.”

Ihr Wissen ist inzwischen auch außerhalb von Rinkenberg gefragt. Veranstalter, Hochzeitspaare und sogar der ORF greifen immer wieder auf ihre Aufzeichnungen zurück. “Ich werde immer wieder telefonisch über das Wetter befragt”, erzählt Polesnig.

Dann sucht sie in ihren Heften nach Vergleichswerten aus vergangenen Jahren. Für die Kärntnerin ist das Routine. Die Aufzeichnungen liegen griffbereit, das Gedächtnis ist wach. Nach 47 Jahren Wetterbeobachtung weiß sie: “Wer das Wetter verstehen will, muss vor allem eines haben: Geduld und einen langen Atem.”

Related Posts

So gab Meinl-Reisinger 100.000 Euro für Flugreisen aus

Sie ist die Jetset-Ministerin: Beate Meinl-Reisinger. Gemeinsam mit ihrem Kabinett verflog sie in nur drei Monaten satte 100.000 Euro. Eine parlamentarische Anfrage von FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz hat…

“Versteht keiner”: Babler-Sitzung sorgt für Unmut

SP-Babler hat seine Regierungsmitglieder für Mittwoch kurzfristig zwecks besserer “Abstimmung” einbestellt. Schon beim Termin mangelt’s an Abstimmung. Die SPÖ manövriert sich selbst immer tiefer ins Chaos. Seit…

XXL-Regierung verflog in drei Monaten eine Million Euro

Abgehoben ist die Regierung auch im zweiten Quartal wieder – und zwar buchstäblich: “Heute” liegen alle Reisespesen-Abrechnungen vor. Die Details. Es ist die größte Regierung aller Zeiten:…

Paukenschlag! Minister fordert Corona-Hilfen zurück

Minister Marterbauer macht klar: Wer Corona-Hilfen zu Unrecht erhalten hat, muss mit Rückforderungen rechnen. Dabei geht es um 158,8 Millionen Euro. Bei der Abwicklung der milliardenschweren Corona-Hilfen…

Neuer Missbrauchsfall erschüttert Österreichs TV-Szene

Gegen einen bekannten österreichischen TV-Star laufen Ermittlungen wegen schwerer Vorwürfe. Auch zwei Frauen stehen im Fokus der Justiz. Gegen einen bekannten österreichischen TV-Star laufen seit Mai Ermittlungen…

SPÖ-Kräftemessen um “Kultur-Euro”: Babler droht Ludwig

Die Stadt Wien plant, kulturelle Events mit einer neuen Abgabe zu versehen. Grund: das klamme Stadtbudget. Jetzt schaltet sich die Regierung ein. Die Stadt Wien nennt ihn…

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You cannot copy content of this page