Kanzler Stocker rechnet jetzt knallhart mit FPÖ ab

Bundeskanzler Christian Stocker geht auf Distanz zur FPÖ. In einem Interview kritisiert der VP-Chef das Konzept einer “dritten Republik” scharf.

Vor knapp eineinhalb Jahren verhandelte ÖVP-Chef Christian Stocker noch mit der FPÖ über eine mögliche Regierungskoalition. Heute geht der Bundeskanzler deutlich auf Distanz zu den Freiheitlichen: In einem Interview mit der “Kleinen Zeitung” rechnete er mit ihren politischen Konzepten ab.

“Kein Zugang, alles zerstören zu wollen”

So kritisierte der Kanzler u. a. die Reden von FPÖ-Obmann Herbert Kickl und anderen Parlamentariern im Hohen Haus. “Das ist eine Verächtlichmachung und Herabwürdigung aus einer selbstgefälligen Position. In den Debatten ist so eine tiefe Abneigung zu hören, dass ich mich frage, welche Gesellschaft wir eigentlich wollen”, so Stocker zur “Kleinen”.

Das Konzept einer “dritten Republik”, wie sie von manchen Freiheitlichen gefordert wird, kritisierte der VP-Chef scharf. “Es ist doch kein Zugang, alles zerstören zu wollen. Was ist, wenn alles hin ist? Wollen wir eine Republik in Trümmern? Ich will das nicht. Ich will eine bessere Zweite Republik”, betonte Stocker.

„Wollen wir eine Republik in Trümmern? Ich will das nicht. Ich will eine bessere Zweite Republik.“

Bundeskanzler Christian Stockerfeuert scharf gegen die FPÖ

“Regierung kann nicht jeden glücklich machen”

Den Stimmenverlust an die FPÖ erklärte Stocker mit den Geschehnissen der letzten Jahre: “Nach den U-Ausschüssen, Gerichtsverfahren und Chat-Protokollen gab es einen Aderlass. Dazu kamen die vielen globalen Krisen.” Außerdem würden viele Regierungsparteien auf der ganzen Welt einen Vertrauensverlust erleben.

Der Kanzler erklärte, dass Menschen eine Erwartung an die Regierung hätten, die oft unerfüllbar sei. “Die Regierung kann nicht alles, was auf der Welt und in Österreich passiert, ungeschehen und jeden individuell glücklich machen.”

“Da bin ich auch selbstkritisch”

Auf die Frage, ob die Regierungsarbeit zu negativ gesehen werde, entgegnete Stocker: “Man wird gesehen, wie man gesehen wird. Das liegt nicht nur an den Menschen, sondern schon an uns – da bin ich auch selbstkritisch.” Die Bevölkerung habe sich laut dem Kanzler an das hohe Niveau im Land als Selbstverständlichkeit gewöhnt. “Wir dürfen nicht immer von den letzten Prozenten reden, die wir noch brauchen, damit es wirklich ganz passt.”

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