Bar-Chefin kaufte 900 „explosive“ Sprühkerzen

Vor dem Horrorbrand in der Bar „El Constellation“ soll Barbetreiberin Jessica Moretti „explosive“ Sprühkerzen geordert haben.

Vor dem Horrorbrand in der Bar „El Constellation“ soll Barbetreiberin Jessica Moretti „explosive“ Sprühkerzen geordert haben.© Krone-Collage/Screenshot X, AFP/MAXIME SCHMID

41 Menschen verloren bei der Silvester-Feuerkatastrophe in einer Bar in Crans-Montana ihr Leben – ausgelöst wurde das Feuer von Sprühkerzen. Jetzt kommt ein schlimmer Verdacht auf: Die Barbesitzerin wusste, wie gefährlich die Kerzen waren. Darauf deuten zumindest Nachrichten an ihre Mitarbeitenden hin.

„Was die Sprühkerzen angeht, habe ich 900 bestellt. Aber wir müssen sie in Frankreich abholen, da sie explosiv sind und nicht in die Schweiz geliefert werden.“ Das sagte Jessica Moretti, Besitzerin der Bar „Le Constellation“, in einer Sprachnachricht auf Whatsapp an ihre Mitarbeitenden. Abgeschickt hatte sie die Nachricht am 6. Dezember 2025 – also 25 Tage vor der Katastrophennacht in der Bar, wie die italienische Zeitung „La Repubblica“ berichtet.

Wie kamen die Sprühkerzen in die Bar?Bei einem Verhör der Walliser Staatsanwaltschaft vergangene Woche wurde Moretti diese Nachricht vorgespielt. „Daran kann ich mich nicht erinnern“, beteuerte sie. „Wenn ich ,explosiv‘ sage, meine ich Sprühkerzen.“ Sie habe die Kerzen zwar bestellt, „aber ich habe keine Erinnerung daran, sie in Frankreich abgeholt zu haben, zumindest nicht im Dezember.“

Im Normallfall würde außerdem ihr Mann Jacques Moretti die Kerzen abholen, erklärte Jessica Moretti. Dieser beteuerte, die Kerzen nicht aus Frankreich geholt zu haben. „Da bin ich mir zu 99 Prozent sicher.“ Außerdem: „Es lag an der Firma, die sie nicht liefern konnte, nicht daran, dass wir sie nicht bekommen konnten.“

  • Bei der Silversterparty in der Bar „Le Constellation“ in Crans-Montana (Schweiz) haben Sprühkerzen den Schaumstoff an der Decke in Brand gesetzt. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus.
  • Der Notausgang war blockiert, die Gäste mussten über eine schmale Stiege ins Freie flüchten. Dutzende Menschen schafften das nicht mehr.
  • Bei dem Flammeninferno kamen 41 Menschen ums Leben. 115 wurden verletzt, rund 80 davon schwer.
  • Gegen das Betreiberehepaar der Bar, Jessica und Jacques Moretti, und Sicherheitsverantwortliche der Gemeinde laufen Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung.

„Wenn sie zu hoch gehalten werden, brennt das Constellation“Das ist nicht die einzige brisante Sprachnachricht, die dem Ehepaar bei dem Verhör vorgespielt wurde. 2019 hatte Jessica Moretti ihre Belegschaft schon einmal per Whatsapp vor Sprühkerzen gewarnt. „Wenn sie Sprühkerzen wollen, passt gut auf, bleibt dabei, bis die Kerze erlischt. Denn wenn sie auf das Sofa oder auf den Boden fällt oder wenn sie zu hoch gehalten werden und den Schaum verbrennen, brennt das Constellation“, soll Moretti geschrieben haben.

Jetzt, mehrere Jahre später, sagte Moretti, dass die Nachricht „mit einem Augenzwinkern“ zu verstehen sei. „Das ist auf gar keinen Fall wörtlich zu nehmen“, zitierte RTS sie. Das Betreiberehepaar habe die Mitarbeitenden immer angewiesen, die Kerzen einzusammeln, „weil sie ein Sofa oder einen Tisch beschädigen können.“ Laut Protokoll sagte Moretti: „Aber man kann unmöglich wissen, dass eine Gefahr besteht.“

Decke brannte schon einmalAn der Decke des Clubraums im „Constellation“ war Schaumstoff an der Decke angebracht worden – ein leicht brennbares Material. Schon 2024 soll der Schaumstoff in Brand geraten sein, wie die italienische „Corriere della Sera“ unter Berufung auf einen Opfer-Anwalt berichtete. Damals hätten das Personal und Gäste den Brand gelöst und einfach weitergefeiert.

Bei dem Flammeninferno der Silvesternacht konnten die Gäste allerdings nicht mehr viel tun, außer zu flüchten. Doch der Notausgang war mit einem Barhocker blockiert – den Gästen blieb nur eine schmale Stiege als Fluchtweg, viele schafften es nicht rechtzeitig nach draußen. 

„Ist Notausgangstür noch verschlossen?“Der Notausgang war ebenfalls schon Thema in den Whatsapp-Nachrichten der Morettis an ihr Team. 2021 fragte Jacques Moretti seine Mitarbeitenden, ob die Notausgangstür „noch verschlossen ist“? Ein Mitarbeiter bejahte das.

Jetzt beim Verhör sagte Moretti dazu: „Wenn ich ,blockiert‘ sage, meine ich ,geschlossen‘.“ Die Tür lasse sich außerdem von innen gar nicht zusperren, es sei ja eine zertifizierte Tür. Jessica fügte hinzu: „Die Vorstellung, ich hätte den Befehl gegeben, sie zu schließen, um Leute daran zu hindern, ohne zu bezahlen zu gehen, ist absurd.“

„Alle Vorschriften erfüllt“Insgesamt sieht Jacques Moretti die Verantwortung für die Horronacht wohl eher nicht bei sich. „Da wir alle Vorschriften erfüllt haben, die Nutzung dieser Sprühfontänen genehmigt wurde und die Feuerwehr ihre Kontrolle durchgeführt hat, sehen wir kein Problem darin, diese Aktivität durchzuführen – abgesehen davon, dass dabei das Inventar beschädigt werden könnte“, zitierte ihn RTS aus dem Protokoll des Verhörs. Klar ist aber auch: Entgegen den Vorschriften war der Brandschutz in der Bar seit 2019 nicht mehr überprüft worden.

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